Biker Eppi "haut raus"


Vorwort:
nun ich schreibe gern mal was aus meiner Sicht interessantes auf. Motorradfahren ist immer eine gute Basis dafür. Es könnte ja anregend sein, nachzuvollziehen was ich in Worte gekleidet an Erfahrungen und Ratschlägen gesammelt habe. Sowie auch die durchlaufenden Rückschläge. Im Ganzen gesehen macht gerade das dieses riesen Umfeld den „Motorradfahrer“ aus. Ein grundsätzliches Warum und Wieso zu hinterfragen lasse ich dabei unbeachtet. Natürlich freue ich mich, wenn Ihr auch gern mit mir in diese vielleicht manchmal philosophische Betrachtungsweise eine Art Dialog findet. Ich werde natürlich jede Mail beantworten und meine Texte hier vervollständigen oder ganz umschreiben. Euer Einverständnis dazu mal vorausgesetzt. So dann werde ich mal loslegen; bin mal gespannt, ist wie das erste Mal auf einer Bühne stehen.

Jahrgangsbedingt war ein Mofa mein erstes Zweirad. 50 ccm. Und 1,5 PS Sachs Motor. Gebläse gekühlt und es hatte den klangvollen Namen „Herkules“. Eigentlich gab es nur blau lackierte mit etwas Chrom abgesetzt. Zweigangschaltung. Also die ersten Erfahrungen eine Kupplung zu dosieren. Mit einigen Gleichgesinnten fuhren wir oft durch Waldgebiete. Dabei war alles zu durchqueren. Natürlich niemals mittrampeln oder gar die Füße auf den Boden aufsetzen. Eine besondere Anforderung waren die steil nach oben führenden Wege. Gewicht weit nach vorne verlagert und stehend mit festem Griff am Lenker versuchen gerade noch kurz vor dem abwürgen des Motors oben ankommen. So kürte sich schon sehr früh das Gefühl etwas unglaublich Übermächtiges geschafft zu haben. Oder der Ehrgeiz es so lange zu versuchen bis es dann endlich mal funktionierte. Wenn auch nicht regelmäßig mit gleicher Güte zu wiederholen. Für viele war die Mofa ein Verkehrsmittel zur Arbeit zum Einkaufen oder zu irgendeiner Verabredung zu gelangen. Soweit auch verständlich. Die direkte Folge war dann das Mokick oder der Roller. Bis dann endlich ein Auto Zweiradfahren ersetzte. Nun würde ich mal behaupten wirst Du sozusagen zum „Biker“, wenn dir vier Räder leider immer wieder begegnen als die bessere Alternative.
Das Mokick bekam bei mir keine Chance. Ich kaufte mir eine sündhaft teure KTM Klasse 4. Hier war im Prinzip alles offen. Nur der „Schnapsglas“ große Hubraum war zwingend vorgeschrieben. Immerhin serienmäßig 6,5 PS bei ansprechenden 8 tausend Umdrehungen pro Min. Wieder ein Sachs Motor der baugleich in dem Herkules Kleinkraftrad den Vortrieb brachte. Hier war das Fahrgefühl schier grenzenlos befreiend. Helm war angesagt, aber keine Vorschrift. Jeans wurden getragen, vielleicht etwas höhere Schuhe. Dunkle Sonnenbrille und ein Käppi. Handschuhe, ja, wenn sie gerade greifbar waren. Bei jeder Fahrt war klar, mit 18 gibt es ein Motorrad. Nun mittlerweile, so seit gut zehn Jahren fahre ich ausschließlich nur noch BMW Boxer Modelle. Doch zu der Zeit war ein deutsches Motorrad nirgendwo ein wirklich ansprechendes Thema. Die Japaner hatten den gesamten Motorradmarkt beflügelt mit wirklich unglaublichen Modellen. Sie suggerierten sofort Übermacht beim Fahren ohne das der Kaufpreis für eine Elite vorbehalten blieb. Die Straßen waren nicht so übervoll wie heute. Das Sauerland bot mir die nötige Biker Freiheit um so oft wie nur eben möglich durch die Gegend zu heizen. Mit Yamaha, Susuki, Honda egal…..
Sicher verbindet uns Motorradfahrer vieles sehr ähnliches. Ich würde mal die Hauptlager teilen zwischen Speed und Beschleunigung und dem reinen Genießer Typ. Danach richtet sich schon die Kleidung. Die stromlinienförmige Einheit in Farbe und Form mit dem Bike, das schon allein im Stand richtig schnell aussieht. Oder eben der Biker Typ bei dem die wirkliche Freiheit nur ankommt, wenn reichlich Wind um sein Gesicht weht, der Motorklang jeden einzelnen Takt herauspoltert, der Lenker eine kräftige Rückmeldung der gesamten Vibrationen an die Hände weitergibt. Dabei der ganze Körper durchtrieben wird vom Anzug bei jedem Gas Stoß. Nicht wieselflink jede Kurve durchwedelt, sondern bedacht und kontrolliert einlenkt und sein Gewicht verlagert um in gewisser Schräglage zu hoffen am Kurvenausgang schnell genug wieder gerade zu kommen. Motorradfahren ist für mich eine Art Berufung. Die Fahrt beginnt immer schon mit der Möglichkeit überhaupt fahren zu können. Dazu wird natürlich das Wetter als Ausgangsbasis gesehen. Umso ärgerlicher ist es, wenn gerade bei „bomben“ Wetter keine Freizeit in Sicht ist. Nun ist es dann mal wieder so weit; die reine Vorfreude beginnt mit dem Anziehen der inzwischen notwendigen Schutzkleidung. Ich meine damit eine Kleidungskombination die im Einklang mit dem Motorrad steht. So ergibt es eine anmutende Ausstrahlung für die immer zu beobachtenden hungrigeren Betrachter am Straßenrand. Also jemand der eine Harley steuert, zieht keine Rennkombi an. Diese unumstößliche Kleiderordnung wird nur sehr selten außer Acht gelassen. Gut, ich habe schon fahrende Osterhasen oder Weihnachtsmänner gesehen. In meinem Fall bedeutet das natürlich BMW original Kleidung. Sündhaft teuer und eigentlich auch nicht besser, aber wenn schon, denn schon. Mein Klappi ist allerdings von Schuberth (C4) Mit dem besonderen Extra im Krangenkranz eine Kommunikationsanlage zu haben. Meine Frau hat auch einen solchen Helm. Die „Ladyedition“. Da ich so oft wie möglich versuche, das wir zusammenfahren, können wir so, wie in einem Hubschrauber, nach Herzenslust Gespräche führen. Dann zu guter Letzt die Stiefel angezogen. In voller Montur sind alle normalen Bewegungen begleitet von umschließender Festigkeit. Ist deshalb auch eine Funktionskleidung. Sie hat die Funktion sicher und entspannter Motorrad zu fahren. Die gesamte Entwicklung bis heute zielt darauf ab Motorradfahren weitgehend zu entschärfen. Hohe Geschwindigkeiten aufrecht sitzend ohne einen Machtkampf mit orkanstarken Fahrtwind auszutragen sind inzwischen ganz normal. Der Level an Komfort und Sicherheit ist mir inzwischen sehr wichtig geworden. Zurückdenkend an sehr viel frühere Zeiten war der Weg vom Entschluss bis zur eigentlichen Ausfahrt sehr viel kürzer. Wichtig war der Tankinhalt. Lästiges Tanken wurde soweit wie möglich nach hinten verschoben. Jacke an, Kappe auf, Sonnenbrille. Und schon war reines Freiheitsfeeling angesagt.