Biker Eppi "haut raus"


Vorwort:
nun ich schreibe gern mal was aus meiner Sicht interessantes auf. Motorradfahren ist immer eine gute Basis dafür. Es könnte ja anregend sein, nachzuvollziehen was ich in Worte gekleidet an Erfahrungen und Ratschlägen gesammelt habe. Sowie auch die durchlaufenden Rückschläge. Im Ganzen gesehen macht gerade das dieses riesen Umfeld den „Motorradfahrer“ aus. Ein grundsätzliches Warum und Wieso zu hinterfragen lasse ich dabei unbeachtet. Natürlich freue ich mich, wenn Ihr auch gern mit mir in diese vielleicht manchmal philosophische Betrachtungsweise eine Art Dialog findet. Ich werde natürlich jede Mail beantworten und meine Texte hier vervollständigen oder ganz umschreiben. Euer Einverständnis dazu mal vorausgesetzt. So dann werde ich mal loslegen; bin mal gespannt, ist wie das erste Mal auf einer Bühne stehen.

Jahrgangsbedingt war ein Mofa mein erstes Zweirad. 50 ccm. Und 1,5 PS Sachs Motor. Gebläse gekühlt und es hatte den klangvollen Namen „Herkules“. Eigentlich gab es nur blau lackierte mit etwas Chrom abgesetzt. Zweigangschaltung. Also die ersten Erfahrungen eine Kupplung zu dosieren. Mit einigen Gleichgesinnten fuhren wir oft durch Waldgebiete. Dabei war alles zu durchqueren. Natürlich niemals mit trampeln oder gar die Füße auf den Boden aufsetzen. Eine besondere Anforderung waren die steil nach oben führenden Wege. Gewicht weit nach vorne verlagert und stehend mit festem Griff am Lenker versuchen gerade noch kurz vor dem abwürgen des Motors oben ankommen. So kürte sich schon sehr früh das Gefühl etwas unglaublich Übermächtiges geschafft zu haben. Oder der Ehrgeiz es so lange zu versuchen bis es dann endlich mal funktionierte. Wenn auch nicht regelmäßig mit gleicher Güte zu wiederholen. Für viele war die Mofa ein Verkehrsmittel zur Arbeit zum Einkaufen oder zu irgendeiner Verabredung zu gelangen. Soweit auch verständlich. Die direkte Folge war dann das Mokick oder der Roller. Bis dann endlich ein Auto Zweiradfahren ersetzte. Nun würde ich mal behaupten wirst Du sozusagen zum „Biker“, wenn dir vier Räder leider immer wieder begegnen als die bessere Alternative.
Das Mokick bekam bei mir keine Chance. Ich kaufte mir eine sündhaft teure KTM Klasse 4. Hier war im Prinzip alles offen. Nur der „Schnapsglas“ große Hubraum war zwingend vorgeschrieben. Immerhin serienmäßig 6,5 PS bei ansprechenden 8 tausend Umdrehungen pro Min. Wieder ein Sachs Motor der baugleich in dem Herkules Kleinkraftrad den Vortrieb brachte. Hier war das Fahrgefühl schier grenzenlos befreiend. Helm war angesagt, aber keine Vorschrift. Jeans wurden getragen, vielleicht etwas höhere Schuhe. Dunkle Sonnenbrille und ein Käppi. Handschuhe, ja, wenn sie gerade greifbar waren. Bei jeder Fahrt war klar, mit 18 gibt es ein Motorrad. Nun mittlerweile, so seit gut zehn Jahren fahre ich ausschließlich nur noch BMW Boxer Modelle. Doch zu der Zeit war ein deutsches Motorrad nirgendwo ein wirklich ansprechendes Thema. Die Japaner hatten den gesamten Motorradmarkt beflügelt mit wirklich unglaublichen Modellen. Sie suggerierten sofort Übermacht beim Fahren ohne das der Kaufpreis für eine Elite vorbehalten blieb. Die Straßen waren nicht so übervoll wie heute. Das Sauerland bot mir die nötige Biker Freiheit um so oft wie nur eben möglich durch die Gegend zu heizen. Mit Yamaha, Susuki, Honda egal…..
Sicher verbindet uns Motorradfahrer vieles sehr ähnliches. Ich würde mal die Hauptlager teilen zwischen Speed und Beschleunigung und dem reinen Genießer Typ. Danach richtet sich schon die Kleidung. Die stromlinienförmige Einheit in Farbe und Form mit dem Bike, das schon allein im Stand richtig schnell aussieht. Oder eben der Biker Typ bei dem die wirkliche Freiheit nur ankommt, wenn reichlich Wind um sein Gesicht weht, der Motorklang jeden einzelnen Takt herauspoltert, der Lenker eine kräftige Rückmeldung der gesamten Vibrationen an die Hände weitergibt. Dabei der ganze Körper durchtrieben wird vom Anzug bei jedem Gas Stoß. Nicht wieselflink jede Kurve durchwedelt, sondern bedacht und kontrolliert einlenkt und sein Gewicht verlagert um in gewisser Schräglage zu hoffen am Kurvenausgang schnell genug wieder gerade zu kommen. Motorradfahren ist für mich eine Art Berufung. Die Fahrt beginnt immer schon mit der Möglichkeit überhaupt fahren zu können. Dazu wird natürlich das Wetter als Ausgangsbasis gesehen. Umso ärgerlicher ist es, wenn gerade bei „bomben“ Wetter keine Freizeit in Sicht ist. Nun ist es dann mal wieder so weit; die reine Vorfreude beginnt mit dem Anziehen der inzwischen notwendigen Schutzkleidung. Ich meine damit eine Kleidungskombination die im Einklang mit dem Motorrad steht. So ergibt es eine anmutende Ausstrahlung für die immer zu beobachtenden hungrigeren Betrachter am Straßenrand. Also jemand der eine Harley steuert, zieht keine Rennkombi an. Diese unumstößliche Kleiderordnung wird nur sehr selten außer Acht gelassen. Gut, ich habe schon fahrende Osterhasen oder Weihnachtsmänner gesehen. In meinem Fall bedeutet das natürlich BMW original Kleidung. Sündhaft teuer und eigentlich auch nicht besser, aber wenn schon, denn schon. Mein Klappi ist allerdings von Schuberth (C4) Mit dem besonderen Extra im Krangenkranz eine Kommunikationsanlage zu haben. Meine Frau hat auch einen solchen Helm. Die „Ladyedition“. Da ich so oft wie möglich versuche, das wir zusammenfahren, können wir so, wie in einem Hubschrauber, nach Herzenslust Gespräche führen. Dann zu guter Letzt die Stiefel angezogen. In voller Montur sind alle normalen Bewegungen begleitet von umschließender Festigkeit. Ist deshalb auch eine Funktionskleidung. Sie hat die Funktion sicher und entspannter Motorrad zu fahren. Die gesamte Entwicklung bis heute zielt darauf ab Motorradfahren weitgehend zu entschärfen. Hohe Geschwindigkeiten aufrecht sitzend ohne einen Machtkampf mit orkanstarken Fahrtwind auszutragen sind inzwischen ganz normal. Der Level an Komfort und Sicherheit ist mir inzwischen sehr wichtig geworden. Zurückdenkend an sehr viel frühere Zeiten war der Weg vom Entschluss bis zur eigentlichen Ausfahrt sehr viel kürzer. Wichtig war der Tankinhalt. Lästiges Tanken wurde soweit wie möglich nach hinten verschoben. Jacke an, Kappe auf, Sonnenbrille. Und schon war reines Freiheitsfeeling angesagt.
Die Zeiten ändern sich; die Spaß Bremse „Klimawandel“ durchweicht alle harten Kerle auf ihren knatternden Zweirädern. Ich verdränge gern mein Alter und sehe mich immer gerade jetzt. Also Motorradmäßig noch in der richtigen Zeit. Ich darf wann und wohin, wie lange und mit wem ganz frei entscheiden. Einzig die Arbeitszeit und sonstige private Notwendigkeiten grenzen nun mal den freizügigen Aktionsbedarf ein. Also grob dargestellt; Motoradfahren ist keine Notwendigkeit behaupte ich einfach mal. Was ich meine ist die neue E – Motorradkultur. Die Technik wird uns überrollen und es schaffen das gesamte Abbild eines funktionierenden Motorrades bieten. Mit Leichtigkeit verdrängen sie den Verbrenner von der Bildfläche. Dafür setze ich mal noch fünf Jahre an. Da werden dann Motorradfahrer mit lauten und qualmenden Auspuff vielleicht schief angeschaut. Das dann übliche Anfahrbeschleunigungsrennen verliere ich natürlich auch. Mechanik unter meinem Sattel ist nicht zu ersetzen. Feuer schon gar nicht. Hinzu kommt, dass ich und die meisten heutigen Motorradfahrer sehr genau wissen wie der Vortrieb erzeugt wird. Da toben Kolben im Gehäuse und Zahnräder krachen ineinander. Ventile öffnen und schließen sich. Ich lausche dem Sound meines Auspuffs. Nicht selten werden andere Endtöpfe angebaut. Es sind Musikinstrumente der Miniwunderwerke von Motoren aller Art. Nun versetze ich mich im Fahrrausch auf einem E – Motorrad. Es fährt; schnell, gut und sogar vielleicht in den meisten Straßenanforderungen überlegen. Doch habe ich dafür Bock meine Motorradkleidung anzulegen? Ideale gegen Spielzeug tauschen?
Jedem Biker sollte die eigentliche Gefahr des freien Fahrens nicht unmittelbar im direktem Nacken hängen. Es beginnt mit dem Reiz auf zwei Rädern und sollte in besonnener Gangart niemals enden. Nur jeder weiß nur zu gut, dass diese Vorstellung schnell unter dem Helm verschwindet. Ich versuche daher mich möglichst gut vorzubereiten. Also Fahrsicherheitstraining mindestens einmal während der Season. Besonders gut finde ich dabei mein Bike sehr langsam zu bewegen. Normal würde ich noch nicht mal so langsam gehen, aber darum geht es. Die Kontrolle mit persönlicher Gewichtsverlagerung und Blickrichtung im Standgas Kupplungsspiel innerhalb eines engen Parkuhr zu meistern. Das Zugpferd der richtigen und sicheren Fahrweise ist die Blickrichtung. Ich fahre immer wohin ich im Voraus schaue. Das Handling seine Maschine dann zu halten und zu stabilisieren ist oft und überraschend ein fast automatischer Vorgang. Die Beine sind immer auf den Fußrasten! Wir wollen fahren und nicht schieben. Ein modernes Motorrad hilft dabei wirklich sehr. Die GS ist in seiner Handlichkeit wie eine ganze Gewichtsklasse tiefer. Ich behaupte mal ein recht guter und sicherer Fahrer geworden zu sein. Doch lange unterhalb der Möglichkeiten dieses technischen Wunderwerks. Ich traue es mir nicht zu einen Wheelie damit zu fahren oder sonstige Kunststücke. Mein Anspruch ist dabei zu sein und innerhalb einer Gruppe gleichgesinnter Motorradfahrer möglichst viel gemeinsame Zeit zu verbringen. Eine gemeinsame Ausfahrt ist jedenfalls das Highlight nach einer anstrengenden Arbeitswoche. Wann immer es geht sitzt meine Frau Gaby hinter drauf. Das spornt meine Vernunft noch mal an, wirklich alles im risikolosem Spaß Bereich zu halten. Zum Thema Sicherheit gehört natürlich die richtige Fahrlinie. Ein Motorrad ist viel schmaler als ein Auto. Doch die Straße ist nicht allein für uns reserviert. Einfacher Ausgangspunkt ist dabei immer innerhalb der Fahrbahnseite zu bleiben. Alle Stellen des Motorrads und des Fahrers ragen niemals in den Gegenverkehr hinein. Hierbei sind die Kurven das zweischneidige Schwert zwischen Spaß und Selbstmord. Die Rechtskurve möglichst rechts im Kurvenbeginn anfahren. Den Verlauf mit der Blickrichtung immer verfolgen. Ein wenig zum Straßeninneren tragen lassen. So auf Mitte dann den Kurvenausgang fixieren. In möglichst tiefer Schräglage aus dem sogenannten Scheitelpunkt herausbeschleunigen. Niemals sollte irgendwas zu keiner Zeit über die Mittellinie herausgeragt haben. Alles was uns da entgegenkommt, kann uns berühren. Meist nicht sehr gesund für keinen. Die Linkskurve ist ähnlich nur hier lauert der Fahrbahnrand auf uns. Zu spät die wahre Biegung der Kurve erkannt und es kann im Graben enden. Helfen kann hier nur noch Glück oder mehr Schräglage. Abschließend meiner Belehrungen erwähne ich noch die allgemeine Fahrerhaltung. Immer wieder gerne am Start; der einzelne Finger an Kupplung und Bremse. Habe ich auch eine ganze Zeit so gemacht ohne wirklich darin einen Fehler zu erkennen. Die Reaktion ist doch so am besten; Vielleicht unerheblich richtig. Doch die sichere Führung des Lenkers ist stark gemindert. Schlaglöcher, Nässe, Spurrillen und Wellen vermitteln eine schwache Rückmeldung. Also reagiere ich dann vielleicht nicht sicher genug. Die geniale Erfindung des Heizgriffes ist fast sinnlos, wenn mir der Finger einfriert. Immer die ganze Hand an den Griffen zu halten ist Umgewöhnung, aber schnell sehr beruhigend. Bleibt da noch der Biker Gruß. Ich halte ihn für sehr wertvoll. Mein Respekt, dass der Entgegenkommende auch ein Motorrad fährt. Ja; ist nicht gerade sicherheitsfördernd. Auch ein wenig abgehoben könnten einige meinen. Es werden Motorräder und Gespanne gegrüßt. Keine Roller oder Quads. So die Regeln; Fußballen auf die Rasten stellen ist ebenso Plicht. Ich hatte sie auch immer schön vorgemerkt unter dem Schalthebel und über der Bremse. Nur manchmal ist ein Zentimeter viel Platz zur Fahrbahndecke, wenn die Schräglage jeden vorher gezeichneten Kreidestrich am Reifenflanken abwischen würde. Meine Stiefelspitzen pflügen dann den Asphalt.
Oft frage ich mich, wann ist Motorrad fahren am schönsten? Leichter Sonnenschein, wenig Wind, Temperaturen so um die 21 Grad, kaum Aussichten auf Wetteränderung und Zeit solange bis der Tank mindestens einmal leer gefahren ist. So weit so gut; Doch ich bin eher der Gemeinschaftsmensch. So gehört meine Frau in erster Linie mit auf den Sozius. Richtig gutes Tourengefühl bekäme ich jetzt noch, wenn ein oder zwei Motorradfreunde mit am Start wären. Oft ist es aber nicht so; das jeder meiner Bekannten dieser Initiative wunschgemäß folgen kann. Zudem muss ein Treffpunkt vereinbart sein. Hinzu kommt die ungefähre Vorstellung einer Reiseroute. Ich beschreibe hier mal eine recht kurzfristig geplante Sonntagstour mit fünf Motorrädern.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Planung einer groben Richtung. Die gesamten gefahrenen Kilometer betragen in der Regel so um die 250 – 300 km. Während mein Gehirn verschiedene alte Erinnerungen herauskramt, suche ich natürlich eine Lücke für eine völlig neue Strecke. Dabei sind unsere Talsperren immer einen Ausflug wert. Die Vorteile dieser Ziele bilden sich meist in gut ausgebildeten Kurven und vielen Haltemöglichkeiten für eine Rast aus. Größere Wasserflächen wirken anziehend auf die gierigen Blicke durch den Helmschlitz. Fahrtwind, die kühle Luft, viele begeisterte Besucher dieser Anlagen. Ich bilde mir einfach mal ein, dass ein großer Teil dieser Passanten uns leidenschaftlich nachschaut. Mir würde es jedenfalls so gehen, würde ich hier spazieren gehen, statt erhaben ein Motorrad zu führen. Immer mehr gastronomische Betriebe finden uns „Biker“ symphytischer als noch vor wenigen Jahren. Nicht zu unterschätzen ist dabei der fette Umsatzgewinn durch uns. Die Preise haben inzwischen leider auch nicht vor den sogenannten Biker Treffs Halt gemacht. So ein Sonntag kann schon mal mit allem komplett einen 100 € Schein verschlingen. Doch es lohnt sich immer. Wer von der gebildeten Gruppe dann die Richtung anzeigt ist eigentlich egal. Diese Ausfahrt hat Erlebnischarakter, nicht Reisbusfeeling mit anschließender Verkaufsveranstaltung. Die goldenen Regeln einer fahrenden Motorradgruppe sollte jeder kennen. Auf keinen Fall einen in der Gruppe fahrendes Motorrad überholen; die Positionen sind von der Abfahrt bis zum Trennen der Gruppe immer gleich. Wer als erstes Bike anführt, gibt die Richtung vor. Zeigt die Pausennischen auf und gibt das Tempo vor. Der Letzte bleibt auch immer der Letzte. Es kann ja mal einer eine Panne haben oder sonst irgendwas passiert sein. Ich fahre am liebsten in der Mitte oder Vorletzter. Dabei kann ich die fliegende Kulisse der Vorausfahrenden genießen. Beobachten wer welche Schräglage erreicht und welchen Sound die Maschine bei genau diesem Manöver entwickelt. Außerdem hat der hinten fahrende öfter mal die Gelegenheit den Hahn richtig aufzureißen. Immer wieder sehr nützlich finde ich mindestens ein Top Case angebracht zu haben. Darin liegen dann Wasser zum Trinken, eine Regenkombi, Sonnenbrille und so alles was vielleicht wichtig sein könnte. Mit zu Höhepunkten einer jeden Ausfahrt zähle die gemeinsamen Pausen. Denn Motorradfahren sehe ich als eine besondere Leistung an. Schnell entwickeln sich aus den kurz vergangenen Fahreindrücken oft lustige Geschichten zu Lasten des Fahrers der gerade gemeint ist. Gemeinsam fahren bedeutet auch gemeinsam besonders zu sein. Jeder hat irgendwas Besonderes dabei. Etwas Neues anmontiert oder erlebt. Hier freue ich mich über gute Biker Gespräche bei einer Schachtel Pommes, der Bratwurst und nee Cola. Die Motoradfahrer Tradition verpflichtet zu Stolz und leider auch Todesmut. Eine gute Ausfahrt erfordert nicht selten einen guten Fahrer. Die Mischung zwischen Spaß, Risiko und Verantwortung bringt entweder ein Dauergrinsen oder den Eindruck „das hätte ich mit sparen können!“ Bisher hatte ich selten kein Dauergrinsen nach einer Tour verspürt.
Nun möchte ich einmal versuchen zu erklären, warum ich letztlich beim Boxermotor angekommen bin. Erstmal gehöre ich zu der Sorte Motorradfahrer, die der Meinung sind, das 2 Zylinder reichen müssen. Ich finde ein Motor mit nur zwei Zylindern hat das Beste Feedback als Rückmeldung an den Fahrer. Hier toben die Urgewalten eben noch etwas ungezähmt. Natürlich wird immer versucht alles an Ungereimtheiten herauszutechnisieren. Doch mal ehrlich, in dieser Ausbaustufe des legendären BMW Boxer sollte Schluss mit normalisieren sein. Ich schaue sehr wohl nach allen vergleichbaren Typen mit 2 Zylindern und ordentlich Hubraum. Die ganze Harley Philosophie beruht auf diesem Mythos. Moto Guzzi, Ducati und zeitweilig auch unsere Japanischen Mitbewerber fanden diese Beschränkung völlig in Ordnung. Nur einen Boxer zu bauen ist das phänomenale Kernstück von BMW. Ich meine damit einen „Boxer“. Nicht nur liegende Zylinder! Hier gehen nämlich beide Kolben gleichzeitig zusammen und wieder auseinander. Das ist eigentlich das Wesentliche. Soweit ich weiß baute BMW einst Flugzeugmotoren. Sternmotoren usw. Vom Prinzip schon mal ein wichtiger Grundbaustein. Zeitweilig hatte Zündapp ein Motorrad mit echtem Boxermotor im Programm. Wie auch immer. So begann jedenfalls die Entwicklung für diesen, meiner Meinung nach genialen Motorradantrieb. Der Motor allein macht noch nicht das ganze Motorrad aus. Doch der alles vorwegnehmende Grund des Genialen, ist der sehr tiefe Schwerpunkt, jedes Modells mit diesem Antrieb. Heute würden viele behaupten, das stimmt ja nicht. Denn die moderne verbaute Elektronik ist so hilfreich, das eigentlich auch ein Stahlträger auf zwei Rädern super fahren würde. BMW stand eigentlich schon vor der Pleite. Die Modelle waren altbacken und das Image galt für wohlhabende alte Motorradfahrer. Zu dieser Zeit hätte auch ich niemals an BMW gedacht. Die japanischen Superbikes waren günstig und richtig gut. Meine erste „Liebe“ für den Boxer begann durch Zufall. Gepaart mit überhaupt keinem ausreichenden Wissen über diese Bauart. Sozusagen von Moto Guzzi nach BMW gerutscht. Der beliebten Art zu Folge im Internet nach seinem nächsten Motorrad zu schauen, entdeckte ich eine günstige BMW Boxer. Da ich nun auch schon Ende 40 ig. war sollte es etwas bequemes und Windgeschütztes sein. Mit guter Gangart für zwei Personen mit Gepäck. Klar die geschichtsträchtige California suchte ich, fand aber schließlich eine 1150 RT. Sie glänzte wirklich sofort silbergrau in meinem Blickfang. Also mal anschauen und Probefahren. Der Verkäufer schob mir die bullig wirkende Maschine aus seiner Garage. Ich startete den Motor. Meine erste Begeisterung war entfacht. Immer wenn ich den Gasgriff aufdrehte bemerkte ich eine Schwungkraft nach rechts. So als würde jemand leicht von links nach rechts gegen die Motorradseite drücken. Dann schwenkte ich meine 1.69 m. auf den Sattel des Gefährts. Sofort wieder abgestiegen drückte ich erst mal den zweigeteilten Sitz in die niedrigste Stufe. Mit schon sehr geringer Geschwindigkeit entstand ein ganz besonderes Fahrgefühl von unnachahmlicher Sicherheit. Den Fahrtwind empfand ich wie ausgeschaltet. Ich konnte sogar Radio hören oder eine Cassette einlegen. Die ersten Kurven verliefen ungewohnt leichtfüßig. Der bärige Durchzug von unten heraus war überzeugend. Ja das war mein Einstieg in die Welt des Boxers, dem ich seitdem treu geblieben bin. Die 1150 verkaufte ich dann doch recht schnell wieder. Der Motor war nicht dauerhaft einstellbar, dass er bei ungefähr 50ig. nicht gleichmäßig Tempo halten konnte. Im Internet las ich dann mehr über dieses Problem. KFR nannten die Techniker das. „Konstant Fahr Ruckeln“. Eine Eigenart mit der auch Ducati Probleme hatte. Trotzdem nicht rühmlich für eine BMW Boxer. Es nervte außerdem total dabei, wenn ich eine schöne Seepassage entlang mal cruisen wollte. Um es kurz zu machen, es folgte wieder eine RT. Neueres Baujahr und diesmal richtig gut. Eine 1200 RT aus 2008 in Vollausstattung. Dieser Maschine hielt ich lange Jahre meine Treue. Alles hatte den richtigen Platz, der Motor lief wie ein Gedicht und der Beifahrer beschwerte sich niemals über Sitzbeschwerden. Mit hochgefahrenen Windschutz waren aufrecht sitzend 210 km/h kein Problem. Also ein perfekter Reisedampfer. Die Musikanlage war so laut, dass ich unter dem Helm noch dachte nahe dem Hörsturz zu kommen. Einzig meine Körpergröße meldete oft fehlenden Bodenkontakt. Abhilfe fand ich durch 6 cm innen erhöhte Stiefel. Sahen also ganz normal aus. Nur das laufen darin musste ich mir neu antrainieren. Immer wieder überholten mich wieselflinke Granaten in den Kurven. Vielleicht bin ich nicht der allerbeste Fahrer, doch so langsam durchquerte ich die Serpentinen auch nicht. Es waren diese äußerlich groben GS Modelle von BMW. Da war eine Vorentscheidung gefallen. Die nächste wird eine GS. Doch ich verfiel einer ganz anderen Gangart. Mal richtig tief sitzen und trotzdem einen Boxer spüren. Die Entscheidung fiel auf eine umgebaute BMW 1200 C. 60 PS und Mega guter Klang dank Auspuff von Firma Zach. Ihr Baujahr war das letzte ihrer Serie. Vielleicht einer der letzten gebauten Maschinen. Die C Baureihe brachte BMW nicht in das angepeilte Ziel. Ein Stück vom Chopper Kuchen ab zu bekommen. Daher war 2004 dann Ende damit. Einzigartig und sehr wirkungsvoll waren die Bremsen. Jedes Mal, wenn die Bremsleistung angefordert wurde, surrte der Bremskraftverstärker aus dem Innern des Fahrwerks. Unglaublich und absolut einzigartig in einem Motorrad verbaut.
Einen Ausfall dieses Bauteils hätte mein Portmonee geplündert.
Nach gut einem Jahr drängelte mir ein Liebhaber diese Maschine wieder ab. Mit genug Startgeld versehen öffnete ich mir nun die Türen zu meiner GS. Dabei kam dann ein Modell aus 2018 heraus. Sie besitzt schon das neue TFT Display als Cokpitauskunftszentrale. Alle Fahrmodis Stutzbügel, kompletter Koffersatz usw. Nun habe ich dieses Wunderwerk von Motorrad schon über ein Jahr. Nicht eine Sekunde habe ich diese Entscheidung bereut. Außerdem noch eine Werktieferlegung. Das sind mal eben 5 cm mehr Bodennähe. Zum Season Start habe ich mir eine Kess Tech Auspuffanlage anbauen lassen. Die wirklich einzige Anlage, die auch einen spürbaren Gewinn an Motorklang verursacht. Alles ganz legal. Jedenfalls noch; und wenn einmal genehmigt dann auch weiterhin.